Fahrbereitschaft Berlin, Teilelager

Samstag 13.11., 20.00 Uhr

KNM Campus Days – Together Apart revisited

CoMA Allcomers Orchestra & Ensemble KNM Berlin & KNM campus ensemble

  • James Saunders (UA)
  • Stefan Streich (UA)
  • Joanna Bailie
  • Alexander Campkin
© KNM Berlin
© KNM Berlin

Programm

  • Joanna Bailie
    Hildegardstraße/Bundesallee(2019)
    for amateur musicians
  • Stefan Streich
    Large Open CloudsUA(2021)
    für 20 bis 40 Instrumente, Objekte und/oder Singstimmen
  • James Saunders
    it is the behaviour that a system tends towards and encourages that needs to be understood*UA(2020)
    at least 16 players and a moderator
  • Alexander Campkin
    Counting my Numberless Fingers(2007)
    for flexible ensemble with keyboard

Ensemble KNM Berlin

Rebecca Lenton – Flöte & Performance | Theo Nabicht – Kontrabassklarinette & Performance | Pascal Viglino – Schlagzeug & Performance | Ana Maria Rodriguez – Live-Elektronik & Keyboard | Seth Josel – Banjo & Performance | Theodor Flindell – Violine | Cosima Gerhardt – Violoncello & Performance
&

KNM campus ensemble

Kerstin Schilling, Christian Porkert, Helgard Most – Flöten | Stephan Hüsch – Klarinette | Katharina Plate – Bassklarinette | Claudia Teschner – Violine | Cornelius Schlicke – Violoncello | Robert Schneller-Wendelborn – Kontrabass | Ursula Prätor – Klavier
&

CoMA Allcomers Orchestra

Tom Whitehouse, Christian Porkert, Ella Klomp Behrens – Flöte | Anne Marie Muysken – Oboe/Horn | Carin Janssen – Klarinette | James Fawcett, Barnaby Rogers – Tuba | Anne Marie Fuchs – Akkordeon | Pierre America, Ines Murer – Gitarre | Sue Watts, Gavin McCabe, Heidi Siegel – Violine | Liz Herbert, Corinna Marlowe – Violoncello | Toon Kessel, Jenny Brierley, Joan Muysken – Kontrabass
Leitung: Rebecca Lenton


CoMA (Contemporary Music for All) ist ein internationales Netzwerk für Laienensembles der Neuen Musik, das mehr als 20 Ensembles aus ganz Europa vereint. Die Klangwerkstatt Berlin und das KNM campus ensemble laden zusammen mit den Profis des Ensemble KNM Berlin zu einem CoMA Allcomers Orchestra nach Berlin ein. Im Zentrum des Konzerts stehen die Uraufführungen zweier Werke von James Saunders und Stefan Streich, deren offene Anlagen Gestaltungsfreiräume schaffen und den Musiker:innen eine große Mitverantwortung übertragen. Damit fragen sie auch nach Entscheidungsprozessen im Spannungsfeld zwischen Individuum und Gruppe. Auch die Stücke von Joanna Bailie und Alexander Campkin entstanden für CoMA und dessen ganz spezielles partizipatives Musikverständnis. (siehe auch das Konzert der KNM Campus Days 21 am 11.11.)

Geboren 1973 in London, lebt Joanna Bailie zurzeit in Berlin. Über ihr Stück schreibt sie: „Hildegardstraße / Bundesallee basiert auf einer Tonaufnahme von der Straßenkreuzung Hildegardstraße / Bundesallee in Wilmersdorf. In der Tat hören wir am Anfang der Aufnahme kaum Autos, sondern vor allem die läutenden Kirchenglocken der Maria-unter-dem-Kreuz-Kirche. Das Stück erforscht die Reichhaltigkeit der Glockenklänge. Das Band wird immer wieder angehalten und der Querschnitt des Akkords wird analysiert. Diese Analyse wird zur Basis der Instrumentalstimmen. Es gibt einen subtilen Prozess während des Stücks: ein langsames Filtern der Glockenklänge, das allmählich das harmonische Feld auf nur ganz wenige Töne reduziert. Das Werk, wie viele andere von mir, ist ein Versuche die ‚Musik‘ in alltäglichen Klängen zu finden.“

Large Open Clouds des Berliner Komponisten Stefan Streich (*1961) entstammt einer Reihe von Stücken, die – in ihrer Gestalt je ganz eigen – denselben Grundprinzipien folgen: Ein mehr oder weniger zufälliges Zusammentreffen von musikalischen Archetypen erzeugt einen sprechenden Verlauf in einer undramatischen Form. Dazu schreibt Streich:

Clouds ist eine Serie von Stücken mit variablen Besetzungen. Materielle Grundlage ist immer ein bestimmtes Reservoir von unterschiedlichen musikalischen Archtypen: Halteklänge, Akzente, Wiederholungsfiguren, Arpeggien, Halteklängen und Melodien. Im Gegensatz zu anderen Clouds-Varianten sind in Large Open Clouds diese Typen im Detail nicht vordefiniert, sondern jede:r Musiker:in erfindet und komponiert an Hand dieser Typenbezeichnungen unabhängig von den Mitspieler:innen ganz eigene Aktionen und Figuren, sog. ‚Module‘.

Die Partitur regelt die Art des Zusammentreffen identischer oder verschiedener Typen: Unterschiedliche oder gleiche Modultypen treffen in ihren immer ganz individuellen Ausformungen innerhalb bestimmter Zeiteinheiten zufällig aufeinander. Die isolierten Klänge und Gestalten verbinden sich wie Wolkenbewegungen zu immer neuen Konstellationen.“

James Saunders (*1972), Kompositionsprofessor an der Universität Bath Spa, UK, beschäftigt sich mit dem Verhalten der Menschen und ihren Entscheidungsprozessen. Zurzeit widmet er sich diesen Sozialstudien in größeren Gruppen und so sind die Mischung und Menge von Profis und Nicht-Profis bei dem Projekt it is the behaviour that a system tends towards and encourages that needs to be understood ein perfektes Feld für ihn und seine Musik.

Sein Stück erforscht, wie individuelle Entscheidungen Handeln so stimulieren können, dass es das jeweilige Umfeld verändert. Das Verhalten der Spieler:innen beeinflusst die vorhandenen Gruppenstrukturen und bestimmt dadurch, wie sich das Stück mit der Zeit verändert. Ziel des Stückes ist es, Prozesse in Gang zu bringen, die den Spieler:innen ermöglichen zu entscheiden, was sie spielen wollen und wie ihre Entscheidungen die Spieler:innen um sie herum und die Gruppe als Ganzes beeinflussen.

Diese Entscheidungen sollen durch die Realisierung des Stücks für das Publikum sichtbar gemacht werden. Sein neues Werk ist deshalb als Hybridform gedacht: durch die vielen Einschränkungen während der Pandemie, hat James Saunders die Möglichkeiten des Online-Musizierens ausprobiert und erweitert. In dieser Uraufführung werden die Musiker:innen teils vor Ort in Berlin, teils – via Internetverbindung zugeschaltet - noch bei sich zu Hause sein.

Alexander Campkin (*1984) komponierte das Stück Counting my Numberless Fingers 2007, während er an der Royal Academy of Music in London studierte.

Die Besetzung schreibt Klavier und Perkussion als feste Instrumentation vor und ist ansonsten flexibel. Der Anfang ist schnell und lebhaft. Dabei sind die Tonhöhen sind nicht immer exakt festgelegt und es entsteht ein breiteres Spektrum an Klängen. Melodische Linien überlagern sich an verschiedenen Stellen bei unterschiedlichem Tempo und zeitlich freier Umsetzung. Die Instrumente klingen zunächst zusammen und werden dann allmählich dissonanter in der Steigerung auf den Endpunkt hin.



+++ 2G-Veranstaltung (Zutritt nur für Geimpfte und Genesene) +++