Kunstquartier Bethanien, Foyer & Studio 1

Freitag 12.11., 20.00 Uhr

I am here … & music/in/e/motion

Sirje Viise – Performance & Ensemble S201

  • Sirje Viise, Ulrike Ruf (UA)
  • Farzia Fallah
  • Ricardo Eizirik
  • Tamon Yashima (UA)
  • Jagyeong Ryu
© Ulrike Ruf / Younggoo Chang
© Ulrike Ruf / Younggoo Chang

I am here …

Präsenz und Abwesenheit, Intimität und Öffentlichkeit. Nach langen Monaten der Corona-Abstinenz richtet sich der Blick wieder auf das Gegenüber und auf das Beziehungsgeflecht zwischen Künstler:in und Zuhörer:in. Die Sängerin Sirje Viise durchwandert Foyer und Konzertsaal. Ihre Stimme, Atem, Klänge sind aus verschiedenen Richtungen und von unterschiedlichen Orten zu hören. Lautsprecher übertragen sie in den Raum. Die Grenzen von Raum und Körper werden durchlässig. Fast beiläufig gleitet die Performance aus einer Live-Klanginstallation hinüber in ein situatives Musiktheater und wieder zurück.



Sirje Viise – Performance | Ulrike Ruf, Sirje Viise – Konzept & Komposition | Sabine Hilscher – Ausstattung | Justin Robinson – Klangregie


I am here … geht fließend über in das anschließende Konzert:

music/in/e/motion

Programm

  • Ricardo Eizirik
    junkyard piece IIIb – pocket version(2019/20)
    für Oboe, Klarinette, Sampler, Objekte, Cello und Akkordeon
  • Jagyeong Ryu
    SOЯOBOЯUOƧ(2014/rev. 2019)
    für Flöte, Oboe, Klarinette, Cello, Akkordeon und Live-Elektronik
  • Farzia Fallah
    Ausgedehnter Augenblick(2018)
    für Bassklarinette, Akkordeon, Cello und Video
  • Tamon Yashima
    Rohöl und summende Apparate – Fassung für Ensemble S201UA(2021)
    für Flöte, Bassklarinette, Cello, Akkordeon und Performer

Ensemble S201

Dimitry Stavrianidi – Flöte, Objekte | Tamon Yashima – Oboe | Heni Hyunjung Kim – Klarinette | Filip Eraković – Akkordeon | Robert Alan Wheatley – Violoncello | Lukas Nowok – Klangregie, Sampler


Seit einigen Jahren schon rockt S201 die Festivalbühnen, nun kommt das junge Neue-Musik-Ensemble aus Essen erstmals nach Berlin. Die enge Zusammenarbeit mit Komponist:innen ihrer Generation ist den Musiker:innen genauso Anliegen wie die Erweiterung des klassischen Instrumentariums um elektronische Medien und jeder Art von Objekten. Ihr Ansatz ist dabei genreübergreifend und reicht bis in Elektronika, Jazz, Performance, Improvisation und Musiktheater hinein.

Musik in Bewegung ist das Thema ihres Programms mit Kompositionen von Farzia Fallah, Ricardo Eizirik, Tamon Yashima und Jagyeong Ryu, die für das Ensemble entstanden.

Der brasilianische Komponist Ricardo Eizirik (*1985) thematisiert in junkyard piece IIIb gesellschaftliche Mechanismen, Nebenprodukte des Alltags wie Müll oder Geräusche und integriert performative Elemente in seine Musik. 

Die in Südkorea geborene Komponistin Jagyeong Ryu widmet sich in ihren Kompositionen fein abgestimmten Klangverläufen und deren Ausgestaltung in der Zeit. Über SOЯOBOЯUOƧ schreibt sie: „Musik ist ein Klangfluss in der Zeit. Es existiert kein ‚Zurück‘. Nur als Erinnerung lebt die Vergangenheit in der Gegenwart, das ‚Vorher‘ im ‚Jetzt‘. Genauso lebt die Zukunft als Ahnung, als Voraussicht. Hier sind beide Perspektiven gegenwärtig. Wie der Titel der Komposition mit seiner Umkehrungsform zeigt, ist das ‚Vorher‘ zugleich ein Teil des ‚Jetzt‘, und beide unterhalten und verweben sich mit- und ineinander, bilden zusammen das Neue, das Gegenwärtige, bis fremde Klänge am Ende das Gesicht des Stückes vollkommen ändern.“

Farzia Fallah (*1980) gehört zur Generation der jungen iranischen Komponist:innen. Wie viele ihrer Kolleg:innen begann sie bereits im Iran mit privatem Kompositionsunterricht, den sie an deutschen Hochschulen fortführte und abschloss. In ihrem Stück Ausgedehnter Augenblick stellt sie, wie Anne Ricke schreibt, Video und Musik als gleichberechtigte Duo-Partner nebeneinander, beiden räumt sie jeweils Soli ein. Der Intensität des Videobildes begegnet sie mit einem Klang, der von Momenten der Brüchigkeit gekennzeichnet ist.

Mit Rohöl und summende Apparate von Tamon Yashima steht am Ende des Programms ein Stück eines der Ensemblemitglieder von S201. Der in Deutschland geborenen Yashima ist ausgebildeter Oboist und Komponist. Zu seinem Stück schreibt er: „Mich interessieren Technologien, egal ob analog oder digital, musikbezogen oder nicht, und wie diese in Musik adaptiert werden können. Besonders Artefakte aus alten Aufnahmen oder digitale Nebenprodukte werden in diesem Stück thematisiert. Beispielsweise kommen Phonograf-Gesangsaufnahmen von Georg Gaskin aus dem Jahr 1890 vor oder erste Aufnahmen von Beethovens neunter Sinfonie aus dem Jahr 1889. Dieser geräuschhafte, verzerrte Ausdruck zieht sich durch das gesamte Stück: So treffen Klarinettenspaltklänge auf Rückkopplungen oder Kratzgeräusche auf Gitarreneffekten. Zwischen dem Ensemble und der Zuspielung agiert ein Performer, der beide Welten vereint: Mit zwei Audiokabeln ausgestattet, erzeugt er Störgeräusche und schleift sie durch Computerprozesse. Rohöl und summende Apparate habe ich ursprünglich für das Kölner Ensemble Hand Werk geschrieben und daraus eine Fassung für das Ensemble S201 gemacht.“