„Es ist weniger die Hoffnung, die mich antreibt, als die kategorische Zurückweisung der Mutlosigkeit“, sagte der österreichisch-französische Sozialpsychologe, Kulturphilosoph und Schriftsteller jüdischer Herkunft Manès Sperber (1905 – 1984).
Die weltweiten Bedrohungsszenarien wachsen: aktuelle und drohende Kriege, autokratische Herrscher und ihre Anhänger. Das Ergebnis sind Profite Weniger und Verelendung Vieler, Flucht und Vertreibung, Untergrabung und Abschaffung von Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Tod, Elend und Trauma. Die Erde mutiert zur vergifteten Müllhalde. Das Glas scheint eher halb leer als halb voll zu sein.
Ohne Hoffnung scheint die „kategorische Zurückweisung der Mutlosigkeit“ der zweite Schritt vor dem ersten zu sein: trotzig und ziellos. Aber gerade diese Unbedingtheit des Positiven beschreibt eine Perspektive, die Kunst als humane Kraft der Poesie und des Geistes in unruhigen Zeiten zu geben vermag.
Ganz konkret mag die menschliche Stimme in ihrer unmittelbaren körperlichen Präsenz ein Ausdruck von Mut und Hoffnung sein. Gleich das Eröffnungskonzert zeigt dies eindrücklich mit den stimmgewaltigen Sängerinnen des Trio Generator. Ein feiner Stimmfaden zieht sich von dort durch das Festival mit den Tenorsoli bei den Tafelmusiken bis hin zum Kinderchorkonzert am Abschlusswochenende.
Mit der Welt und den gesellschaftlichen Zuständen befassen sich gleich drei konzertfüllende raumbezogene Arbeiten. Neben Eloain Lovis Hübners Hörtheater Massen für das Kölner Ensemble electronic ID präsentiert die Klangwerkstatt Berlin zwei große Uraufführungen: Karen Powers Multimediastück life between poles für das ensemble mosaik und das irische Quiet Music Ensemble über die einzigartige Schönheit und Zerbrechlichkeit der Nord- und Südpolregion sowie das musiktheatrale Konzert Spell des Kollektiv Unruhe, das den Konzertsaal in einen magischen und bisweilen bizarren Raum verwandelt.
In Konzerten mit und für Kinder, mit internationalen Amateurmusiker:innen und Ausflügen in den Jazz öffnet die Klangwerkstatt Berlin einen Raum der Begegnung, des Lernens und des neugierigen Lauschens. Das vielbeschworene Wort von der „Bildung“ wird hier in einem universellen Sinne Realität.
Mit dem Abschlusskonzert des Festivals senden wir einen Gruß an Helmut Lachenmann, dem großen Komponisten, der 11 Tage später seinen 90. Geburtstag feiert. Mit etwas Glück wird er selbst anwesend sein und eines seiner neueren Klavierstücke spielen.
Stefan Streich, Nina Ermlich